Abraumhalde Kalkwerke Oetelshofen versus Osterholzer Wald? oder ambitionierte Weichenstellungen für ein zukünftiges Wuppertal in der Gegenwart

Der folgende Beitrag stammt von einem Unterstützer, und ist nicht von der Bürgerinitiative Osterholz Bleibt. Wir bedanken uns für diese anregenden Worte.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema „Erweiterung der Abraumhalde Kalkwerke Oetelshofen oder Erhalt von 5,5 ha Osterholzer Wald“ zeigt ganz praktisch auf, woran es hier und heute in dem großen Themenfeld Ökonomie, Ökologie und Klimaveränderung noch hapert. Es ist ein großes, auch gesellschaftliches und politisches Thema. Es findet exemplarisch in Wuppertal und Haan statt. Die Kalkwerke sehen derzeit zu der Abraumhalde aus ökonomischen, ökologischen und praktischen Notwendigkeiten heraus keine andere Möglichkeit. Die vielen Arbeitsplätze können nur so erhalten bleiben. Die Stadt Wuppertal erhält Gewerbesteuern.

Die Bürgerinitiative „Das Osterholz bleibt!“ hält in der heutigen Zeit die Rodung von weiteren 5,5 ha Wald und perspektivisch noch evtl. weiteren 20 ha Wald aus Gründen des Schutzes der Natur und der Möglichkeit der Naherholung für nicht vertretbar. Hinzu kommen Aspekte wie der schlechte Zustand auch der Wuppertaler Wälder insgesamt, das große Sterben der Fichten und absehbar wohl noch weiterer Baumarten. Da gilt es alle Wälder zu erhalten. Mit dem Blick auf das Klima weist die BI auf die positiven Auswirkungen des Waldes und die schädlichen Folgen de Kalkabbaus hin.

Auf beiden Seiten gibt es viele weitere Argumente und auch Fragen. Das ist hier aber nicht der Schwerpunkt.

Ich möchte ein größeres Bild malen! und um mit Maja Göpel zu sprechen, die Welt neu denken. Vielleicht können wir ja auch die Wuppertaler Welt etwas neu denken. Da ist dringend nötig. Damit ist auch unser neuer OB, Herr Dr. Schneidewind, angetreten.

Also wenn doch offensichtlich das globalgesellschaftliche Interesse auf längere Sicht definitiv keine Abholzung ist und die hoch CO2- lastige Kalkproduktherstellung und die in größeren Teilbereichen mittel- und langfristig nicht mehr gegebene Systemrelevanz des Kalks nicht mehr gewollt sein kann, welche Mechanismen könnten dann bewegt werden, um diesem als Maxime zu entsprechen?

Was können die politischen Instanzen, Vertreter der Industrie unter Einbeziehung von Bürgern und Transformationswissenschaft konkret in Wuppertal/Haan tun. Und zwar kurzfristig, mittel- und langfristig.

Kurzfristig

Zeit gewinnen und für den Abraum Zwischenlösungen finden!

Im Bereich des alten Lokschuppens auf dem früheren Bahnhofsgelände Vohwinkel plant der Investor Clees auf einer Fläche von rd. 5 ha eine Wohnbebauung. Dazu soll die Fläche – soweit mir bekannt – um 6 – 8 mtr. mit Erde aufgeschüttet werden. Bis zu 400.000 cbm sind eine gewaltige Größenordnung. Grundsätzlich denkbar wäre es, z. B. dafür Abraum aus den Kalkwerken Oetelshofen zu nehmen. Das müsste natürlich baufachlich geprüft werden. Ist der stark lehmhaltige Boden, vielleicht angereichert mit kleineren oder größeren Kalksteinen oder sonstigen Steinen geeignet? Oder kann er für Teilbereiche verwendet werden?

Mit einer Nutzung des Abraums auf dem nunmehr der Fa. Clees gehörenden, nahegelegenen ehem. Bahngelände könnte für mehrere Jahre der gesamte Abraum sogar im Sinne der Kreislaufwirtschaft verwendet werden. Bei den Kalkwerken fallen jährlich rd. 150.000 cbm (rd. 300.000 Tonnen) Abraum an. Auf dem Cleesgelände werden rd. 400.000 cbm benötigt.

Das Thema ist seit einigen Monaten bekannt. Fragt sich nur, warum es nicht ernsthaft und prioritär von den Kalkwerken Oetelshofen in Verbindung mit der Fa. Clees baugeologisch geprüft wird? Es fragt sich auch, ob die Stadt Wuppertal und an ihrer Spitze unser Oberbürgermeister, Herr Dr. Schneidewind, über allgemeine Gespräche hinaus ihre Möglichkeiten wahrnimmt? Hat der Oberbürgermeister darüber mit den beiden Firmen zeitnah konkret gesprochen oder MitarbeiterInnen damit beauftragt? Hat er auf eine Prüfung der Möglichkeiten gedrungen? Natürlich sind solche Gespräche nicht einfach. Man mischt ungern in vermeintlich private, unternehmerische Angelegenheiten ein. Aber es geht immerhin um nichts anderes als um unsere lebenswerte Zukunft, die von uns Menschen und mit der Natur. Das wäre aktive Gestaltung. Das wäre der Versuch, etwas möglich zu machen. Nach meinem Kenntnisstand ist in den letzten 4 Monaten diesbzgl. leider nichts erfolgt. Aber vielleicht ist ja nur nichts nach außen gedrungen. Wenn unser OB, Herr Dr. Schneidewind, sich ernsthaft einbringt, geht ja vielleicht noch was. Und im Ergebnis hätten wir wertvolle Zeit für mittel- und langfristige Lösungen gewonnen.

Mittel- und langfristig

Dieses vermeintliche Randthema „Wald versus Abraumhalde“ weist auf zwei für die Zukunft unserer Stadt wichtige Themen hin:

Die Notwendigkeit einer Bodenbörse und die Umsteuerung von Unternehmen in nachhaltige Geschäftsfelder.

1. Bodenbörse

Da ist zum einen das Thema der Kreislaufwirtschaft. Wir benötigen in Wuppertal eine Bodenbörse, eine Börse für Mutterboden, Lehm, Ton, Mergel, Sand, Kies, Schotter usw. Das zeigt unser Beispiel deutlich. Ein schonender Umgang mit Ressourcen, sowohl von den unterschiedlichen Materialien als auch vom Transport, der Logistik, der Vernetzung und den Kosten her erfordert mittelfristig einen solchen Schritt. Unser aktuelles System ist symptomatisch für ein Denken in alten Schablonen. Es macht eine ordentliche Weiterverwendung von Bodenmaterial sehr schwer, indem sie es den einzelnen oft kleinen Firmen überlässt. Viele Firmen und die Fachwelt warten schon länger auf eine entsprechende Initiative der Stadt. Die angedachte Bodenrecyclinganlage im Westen der Stadt ist schon ein guter Schritt. Auch die Ideen der Wuppertalbewegung passen dazu. Aber eine wirkliche Bodenbörse gilt es deutlich größer und spezieller zu denken. Für einen zukunftsfähigen Umgang mit unserer natürlichen Ressource „Boden“ bedarf es einer Initiative, Federführung und Wegbereitung durch unseren Oberbürgermeister mit einer deutlichen, parteiübergreifenden Rückendeckung im Rat der Stadt. Diese Weichen sind zusammen mit den Firmen und Sachverständigen jetzt zu stellen, damit wir in 5 Jahren auf eine funktionierende Bodenbörse für Wuppertal und vielleicht auch für das Bergische Städtedreieck oder das Bergische Land blicken können. Dann hoffen wir mal darauf.

2. Entwicklung neuer Geschäftsfelder für die Fa. Iseke und deren Beschäftigte

Nach meiner Auffassung sind die von den Kalkwerken Oetelshofen vertriebenen Kalkprodukte mittel- bis langfristig nur noch zu kleineren Teilen systemrelevant. Die Verwendung von Kalk für die Rauchgasentschwefelung z. B. bei Braunkohletagebau fällt in absehbarer Zeit weg. Die ca. 60 % der Produktion, die als Schotter in den Straßenbau etc. gehen, werden sich im Rahmen der absehbaren Verkehrswende und größeren Marktplayern auch reduzieren. Es erscheint sinnvoll, dass das sich das mittelständische Unternehmen neue Geschäftsfelder erschließt. Es ist mittel- und langfristig eine größere Umsteuerung des Unternehmens angezeigt. Eine solche Transformation ist sowohl für die Inhaber als auch für die Beschäftigten aber genauso auch für die Städte Wuppertal und Haan wichtig. Wie kann eine solche Transformation aussehen? In welche Bereiche kann die Firma ihre Geschäfte hin entwickeln, auch in Anerkennung des bestehenden vielfältigen Know-how? Auch dabei kann die Stadt Wuppertal mit ihrem OB an der Spitze die Firma Iseke mit seinen vielen guten Kontakten zur Wirtschaft und in die Wissenschaft hinein aktiv unterstützen und den Prozess mitgestalten. Das ist für die Stadt Wuppertal und für den Standort Wuppertal von Bedeutung. Ist Wuppertal eine innovative Stadt? Kann Wuppertal Transformation? Kann Wuppertal Transformation auch konkret? Das ginge es, sofern auch die Kalkwerke Oetelshofen dazu bereit sind, an diesem Beispiel zu zelebrieren. Damit ist unser neuer OB angetreten. Dafür brauchen wir ihn. Das wollen wir nun z. B. an diesem Thema „Abraumhalde versus Wald“ praktisch erleben und nach Möglichkeit mitgestalten.

Dieter Verst

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