Fridays For Future: Stellungnahme zum Osterholz

Im Streit um die geplante Rodung des Waldes Osterholz melden sich nun auch die KlimaaktivistInnen von Fridays For Future zu Wort.

In einer Stellungnahme fordern sie den Erhalt des Waldes und die Suche nach einer nachhaltigen Lösung. „Es ist ein Skandal, dass wir Mitte 2019 immer noch darüber diskutieren müssen, ob ein Wald für eine Industriemüllhalde gerodet werden soll“, so Jonathan-Benedict Hütter von Fridays For Future Wuppertal. Der Wald binde auch einen Teil der hunderttausenden Tonnen CO2, die die Kalkwerke Oetelshofen jährlich verbrauchen. Daher, so Hütter, sei es wichtig, auch im Sinne des Klimaschutzes für den Erhalt des Osterholz auf die Straße zu gehen.

Fridays For Future Wuppertal veranstaltet heute, am 16.08.2019, um 11:30 Uhr eine Fahrradtour von der Kluse zum Osterholz, dort soll es gegen 13 Uhr gemeinsam mit der Initiative Osterholz bleibt einen Waldspaziergang geben, bei dem auch ein Treffen mit den WaldbesetzerInnen geplant ist.

FRIDAYS FOR FUTURE
Ortsgruppen Wuppertal (DE) und Haan (DE)
STELLUNGNAHME ZUM OSTERHOLZ

PROLOG
Wir, die Fridays For Future Ortsgruppen Haan und Wuppertal, positionieren uns im Folgenden zum Planfeststellungsverfahren Erweiterung Abraumhalde Kalkwerke Oetelshofen an der gemeinsamen Stadtgrenze.
Wir haben in den letzten Wochen in einem Arbeitskreis mit möglichst vielen verschiedenen Seiten des Verfahrens gesprochen, den Steinbruch, den Wald und Ratssitzungen besucht, um uns ein möglichst ausführliches Bild von der
Gesamtsituation zu machen. Daraus ist die folgende Stellungnahme entstanden:

FAKTENLAGE
• Die Kalkwerke Oetelshofen liegen am der Grenze Wuppertals zu Haan im Stadtteil Vohwinkel (Bezirk Schöller). Die Kalkgrube grenzt an einen durch Menschen angelegten Wald, mehrere Felder und eine begrünte „Abraumhalde“(Müllhalde für Steine, Sand und Erde). In der Nähe im Düsseltal befinden sich weitere (teilweise stillgelegte) Kalkgruben.
• Das Kalkwerk Oetelshofen beliefert verschiedene Industriezweige, unter anderem auch die RWE Power AG, die mit dem Kalk bzw Kalkmilch ihre Abgase entschwefeln.
• Bei der Produktion von Kalk wird CO2 aus dem Kalkstein herausgebrannt. Dafür verwenden die Kalkwerke Oetelshofen Erdgas und Braunkohlestaub von RWE. Insgesamt werden laut Angaben der Vorstandsassistenz jährlich
243.000t CO2 emmitiert.
• Der Wald, „Osterholz“ genannt, ist neben der Grube und der (fast vollen) Abraumhalde das einzige Grundstück im Besitz der Firma Oetelshofen. Er ist Lebensraum für mehrere geschützte Tierarten und Landschaftsschutzgebiet.

SITUATION
Um weiter Kalkstein abbauen und zu Kalk verarbeiten zu können, benötigt die Firma Oetelshofen zeitnah eine neue Möglichkeit, Abraum („Müll“) unterbringen zu können, da die momentan genutzte Halde bald voll sein wird.
Nach Aussage eines Unternehmenssprechers seien die Eigentümer der umliegenden Grundstücke und auch des nahegelegenen, stillgelegten Steinbruchs Rheinkalk nicht zu Verhandlungen bereit. Daher sei es für den Weiterbetrieb des (nach Angaben der Betreiber sehr effizienten) Kalkwerks die Rodung des Osterholz notwendig. Daher haben die Kalkwerkbetreiber ein Planfeststellungsverfahren zur Erweiterung der an den Wald angrenzenden Abraumhalde beantragt.

MÖGLICHE FOLGEN
Die Bestätigung des laufenden Bauantrags durch die Bezirksregierung würde eine Rodung des Waldes Osterholz zur Folge haben, viele Pflanzen und Tiere würden ihren Lebensraum verlieren. Die bestehenden Bäume, die momentan Staub und vor allem CO2 binden, würden nach einer Rodung das gespeicherte CO2 wieder freisetzen, welches von jungen Bäumen nicht gebunden werden kann (je älter desto mehr CO2-Speicherkapazität pro Baum). Außerdem wäre Haan nach einer Rodung ohne Luftfilter dem Staub des Kalkwerks ausgesetzt.

UNSER APPELL
Wir appellieren an die Bezirksregierung Düsseldorf als politisch-verantwortliche Institution, den Bauantrag in seiner jetzigen Form abzulehnen.
Wir fordern die Familie Iseke (Inhaber Kalkwerke Oetelshofen), die Eigentümer des Rheinkalk-Steinbruchs und die Eigentümer der umliegenden Grundstücke auf, dringend über alternative Flächen für die notwendige Abraumhalde zu verhandeln.
Wir fordern zudem die Firma Oetelshofen und alle auf unseren Stadtgebieten liegende Kalkwerke auf, stets in neuste CO2-sparsamste Technik aufzurüsten und spätestens 2050 zur Erreichung der CO2-Nettonull den Betrieb einzustellen.
Deshalb fordern wir die Firmen des Weiteren auf, Unternehmensgewinne in Forschung zu Kalkrecycling und Kalkersatzprodukten zu investieren. Kalk ist schließlich als fossiler Werkstoff endlich, also investieren Sie in unsere Zukunft!
Wir fordern außerdem die Firma Kalkwerke Oetelshofen auf, schnellstmöglich die Geschäftsbeziehungen zur RWE Power AG (insbesondere den Bezug von Braunkohlestaub als Brennstoff) einzustellen.

FAZIT
Wir sehen keine Notwendigkeit, warum der Wald gerodet werden muss. Deshalb solidarisieren wir uns mit der Initiative Osterholz bleibt und werden gemeinsam gegen die Rodung des Osterholz auf die Straße gehen! Wir streiken bis ihr im
Sinne dieses Planeten handelt!

FRIDAYS FOR FUTURE, Ortsgruppen Wuppertal (DE) und Haan (DE), August 2019

PDF Datei: FFF-Stellungnahme-Osterholz

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