Wuppertal Osterholz: Offener Brief an Oberbürgermeister Andreas Mucke

Die Bearbeitung der noch offenen Punkte der Wuppertaler Ratssitzung wurden am vergangenen Montag um 20:30 Uhr auf den 11. Juli 2019 vertagt. Am Donnerstag steht auch Osterholz auf der Tagesordnung. Wir publizieren einen offenen Brief, der am 7. Juli an Oberbürgermeister Andreas Mucke verschickt wurde.

Offener Brief an den Oberbürgermeister zum Planfeststellungsverfahren für die Erweiterung der Halde Oetelshofen

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Mucke,

am morgigen Montag will der Rat der Stadt Wuppertal über die Abholzung von mehr als 5ha 100-140 Jahre alten Buchwaldes beschließen, in einem für viele Anwohner und Naturfreunde wichtigen Naherholungsgebiet und CO2-Speicher. Dieser soll den monetären Interessen der Fa. Oetelshofen weichen, die dort stattdessen ihren Abraum/Müll auf Halde schütten möchte. Heute fand ein gemeinsamer Waldspaziergang vor Ort zu diesem Thema statt, an dem informiert und viel diskutiert wurde. Sogar Herr Iseke (junior) nahm teil und stellte sich mutig den Fragen der besorgten Bürger. Sie oder andere Vertreter Ihrer Fraktion habe ich leider vermißt! Statt solchen Vorhaben in Zeiten des Klimawandels (war nicht dieser Juni gerade der Wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen?) und der Erreichung von CO2-Zielen Einhalt zu gebieten und dem mutig entgegen zu treten, kommen Sie den wirtschaftlichen Interessen der hiesigen Industrie nach, spielt diese doch die Karte Arbeitsplätze aus und übertrumpft hiermit alle ökologischen Interessen.

Sie als Vorsitzender/Mitglied des Rates der Stadt Wuppertal sind hier in der Verantwortung den offensichtlich anders lautenden Bürgerwillen umzusetzen, ein offenes Ohr für unsere Interessen zu haben und die Naturschutzgebiete unserer Stadt zu erhalten, statt deren Zerstörung zuzulassen.

Auf der gleichen Sitzung des Rates wollen Sie über das 14-Punkte Paket für mehr Klimaschutz abstimmen. Wie passt das zusammen? Wie Ihnen bekannt sein dürfte müssen wir auf unserem Planeten 1/3 mehr(!) Waldfläche anbauen um nur im entferntesten die Klimaziele zu erreichen. Wie passt hierzu ein Abholzen von alten Baumbeständen? Ich fordere Sie dazu auf, auf der Sitzung gegen die Stellungnahme zum Planfestellungsverfahren zu stimmen und im weiteren die Erweiterung der Halde und die Umwidmung des Waldgebietes zu verhindern. Ich apelliere an Ihr Gewissen als Bürger der Stadt Wuppertal, als Mensch auf unserem geschädigten Planeten und vielleicht auch als Vater/Großvater, der seinen Kindern oder Enkeln irgendwann einmal erklären muß, warum er solchen Maßnahmen zugestimmt hat und danach noch gut schlafen konnte…

Eins noch: Wer in diesem Wald schon einmal gewandert ist und das abendliche Gezwitscher der Vögel in den hohen Bäumen einer Kathedrale gleich bewundert hat oder dort Rehe in freier Wildbahn beobachten konnte, versteht die Welt nicht mehr. Wie kann ein verantwortungsbewußter Politiker solch ein Wunderwerk der Natur mit hohem Naherholungswert wirtschaftlichen Interessen opfern? …und dann noch darauf hoffen wiedergewählt zu werden?

Man fragt sich wohl zurecht ob unsere Politik die Botschaft vieler tausender demonstrierender Schüler nicht verstanden hat, die fordern, dass solchem unverantwortlichen Treiben Einhalt geboten wird. In diesem Sinne: Fridays for Future – nicht nur für Schüler!

Mit verständnislosen Grüßen

Erik Kreiskott

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