Zweiter Osterholz Bleibt Waldspaziergang: Der Widerstand wächst!

Der zweite Waldspaziergang im Osterholzer Wald am 07.07.2019 war ein großer Erfolg. Rund 250 Teilnehmer*innen trafen sich am östlichen Parkplatz der Grube 7 und diskutierten über die Rodungspläne der Firma Oetelshofen. Das waren rund vier Mal so viele Menschen wie am Sonntag zuvor. An der Stadtgrenze von Wuppertal-Vohwinkel und Haan-Gruiten sollen 5 ha Wald mit bis zu 140 Jahre alten Bäumen abgeholzt werden. Hier soll eine Haldendeponie errichtet werden, um dort unbrauchbares Abfallmaterial zu entsorgen. Ein weiterer Abbau ist langfristig nicht geplant,da das Kalkvolumen, lt. Oetelshofen zu gering ist. Aber der Widerstand gegen die Rodungspläne wächst.

Beim Startpunkt diskutierten Mitglieder*innen der Initiative ‚Osterholz Bleibt‘, Teilnehmer*innen des Waldspaziergangs und einige Lokalpolitiker*innen zum Thema. Auch Wuppertals ehrenamtliche Bürgermeisterin und Vorsitzende des Umweltausschusses, Bettina Brücher (Bündnis 90/Die Grüne), beteiligte sich an der Diskussion. Brücher sagte u. a. „Man muss an allen Stellen kämpfen, damit alte Wälder erhalten bleiben und nicht abgeholzt werden.“ Ob die Grünen Koalitionspartnerin der CDU in Wuppertal mit diesen Kampf meint, dass die Grünen in der Bezirksvertretung Vohwinkel am 19. Juni 2019 für die Beschlussvorlage der Stellungnahme der Stadt Wuppertal gestimmt haben und sich damit für das Abholzen des Waldes aussprechen, ist unbekannt. Im Umweltausschuss enthielten sich Bündnis 90/Die Grünen und die Partei Die Linke am 25. Juni. Am 27. Juni stimmten Bündnis 90/Die Grünen der Abholzung im Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen sogar zu, nur Die Linke enthielten sich. Das Argument so abzustimmen, weil die Städte Haan und Wuppertal nur eine Stellungnahme abgeben dürfen, wurde von viele Teilnehmer*innen der Waldspaziergang als äußerst schwach empfunden. Das ist nachvollziehbar, denn die Frage bleibt was in diesen Stellungnahmen steht. Wenn die Stadt Wuppertal in ihrer Stellungnahme die Abholzung billigt und die Grünen und andere Parteien sich nicht klar gegen die Abholzung posiionieren, wird das etwas sein, was bei den Kommenalwahlen im kommenden Jahr eine wichtige Rolle spielen wird.
Dass Bettina Brücher noch Schützenhilfe für den Wuppertaler Koalitionspartner CDU leistete, macht es nicht besser. Einer der beiden Geschäftsführer von Oetelshofen, Moritz Iseke, ist gleichzeitig Fraktionsvorsitender der CDU in der Bezirksvertretung Vohwinkel, hat an der Beschlussfassung in Vohwinkel nicht teilgenommen, sagte Brücher. Das ist richtig, denn Moritz Iseke ist befangen. Aber zu denken, dass seine Befangenheit damit gelöst wurde, grenzt schon an Realsatire. Die CDU ist bekannt für ihreFraktionsdisziplin und dass der Fraktionsvorsitzende nicht außerhalb der Beratung mit seiner Fraktionsmitglieder*innen spricht, darf bezweifelt werden. Als Fraktionsvorsitzender dürfte er auch an den Fraktionssitzungen teilgenommen haben. Auch dies sollten Menschen im Kopf haben, wenn sie nächstes Jahr ihre Stimme abgeben.

Als die Spaziergänger sich auf den Weg machten, stieß Till Iseke, Assistent und Sohn einer der beide Geschäftsführer, dazu. Der Fairness halber muss gesagt werden, und dies trifft durch das Abstimmungsverhalten der Grünen in Wuppertal auch auf Bettina Brücher zu, dass er mutig war, sich der Diskussion der Rodungsgegner*innen auf einer Demonstration im Wald zu stellen und dort das Gespräch zu suchen. Auch wenn dies vermutlich Teil einer Gegenstrategie gegen die wachsenden Proteste ist. Till Iseke begab sich nach seinem Erscheinen bei dem ersten Waldspaziergang erneut unter die Rodungsgegner. Das, was er am Sonntag sagte, diente vor allem den Interessen der Firma Oetelshofen. Dort hat man sich ausgedacht, dass es eine gute Gegenstrategie ist, zu behaupten, dass das Transportieren von Abfall der Firma Oetelshofen in entfernte Gegenden zuviel CO 2 erzeugt. Mal abgesehen von dem Fakt, dass die Firma Oetelshofen in ihrem Antrag zum jetzigen Planverfahren geschrieben hat, die Abraumhalde aus Kostengründen auf dem jetzigen Osterholz Waldstück zu errichten, ist Kalkbrennen vergleichsweise so „schmutzig“ wie Strom aus Braunkohle. Aus dem industriellen Prozess stammen dabei nur zwei Drittel bis drei Viertel der gesamten Emissionen bei der Kalkherstellung. Der „Rest“ kommt noch aus dem eingesetzten fossilen Brennstoff hinzu. Darüber hinaus ist einer der größten Abnehmer die RWE Braunkohle Industrie. Dadurch trägt Oetelshofen eine Mitverantwortung für die größte Stickstoffdioxid-Wolke in Europa. Auch wenn Till Iseke dies vermutlich anders sieht: Die Argumentationskettte, dass im Osterholz Wald für eine bessere CO 2 Bilanz gerodet werden muss, ist mehr als zynisch.

Die 250 Teilnehmer*innen hörten sich alles in Ruhe an und bildeten ihre eigene Meinung. Es gab auch während der Gespräche viele Diskussionen und es entstanden Ideen für neue Aktionen.

Beim Waldspaziergang am 07.07.2019 war das Polizeiaufgebot leider absolut unverhältnismäßig. Dies passiert aber oft, wenn die Klimabewegung auf die Straße geht. Die Polizei hielt sich allerdings zurück und ist zu keinem Zeitpunkt eingeschritten.

Die für den 08. Juli 2019 angesetzte Entscheidung im Wuppertaler Stadtrat über die Stellungnahme zu den geplanten Rodungen im Osterholz Wald wurde auf Donnerstag, den 11. Juli 2019 verschoben. Wir dürfen gespannt auf das Ergebnis sein. Es ist aber leider zu erwarten, dass der Wuppertaler Stadtrat ihre Beschlussvorlage annimmt und somit den Rodungen mit ein paar kleinen Einschränkungen zustimmen wird. Die Bezirksregierung Düsseldorf (die letztendlich entscheidet) wird es mit dieser Stellungnahme leichter haben, den Rodungen zuzustimmen und dies vermutlich auch tun. Dies zeigt einmal mehr, dass Klimaschutz Handarbeit ist und nur die Menschen selbst die Rodung stoppen können.

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